Illustration - Malerei

Die Arbeiten von Helmut Feldmann sind teils grafisch, teils malerisch - zwei Genres, die traditionsgemäß getrennt behandelt werden... Grafiker oder Maler?
Die Illustration ist sein Metier und erlaubt eine erweiterte Sicht der Begriffe, und dennoch: wenn Helmut Feldmann malt, dann malt er, wenn er zeichnet, dann zeichnet er. Gemeinsam ist den beiden Bildsprachen eine zumeist reduzierte, minimale Ausdrucksweise. Eine poetische Sprache, die sich in den grafischen Arbeiten figürlich und in den malerischen Arbeiten abstrakt entfaltet.

Welche Geschichten werden bebildert in seinen Zeichnungen, Lithografien, Radierungen, bzw. welche Geschichten können durch diese entstehen?
Man kann es seinen Arbeiten ansehen: Helmut Feldmann kennt sich aus in der Traum- und Märchenwelt. Er nimmt Literatur zum Anlass, Geschehnisse, Stimmungen oder Szenen künstlerisch zu kommentieren, wobei ihn nicht nur überlieferte, sagenhafte Legenden und Geschichten inspirieren. Lange beschäftigte er sich mit Themen aus der Bibel. Bekannte Märchen sind Anstösse, wie z.B. zu der Radierung "Des Kaisers neue Kleider".
In einem von ihm selbst gedichteten Märchen ("Laub auf Staub") werden die von ihm phantasierten Bildsequenzen filmisch inszeniert. "Masala" ist eine Entwurfsskizze hierzu.

H. Feldmanns Figuren sind zumeist isoliert -
magere, entblößte Gestalten, mit dem Boden unverbunden, in imaginären Sphären lebend... Ein Rabe, ein Engel...
"Engel sind überall - gibt es sie?
Soll ich sie rufen und werden sie mir antworten?"

Als Antwort auf die pausbäckig vitalen, kommerzialisierten "Raffael-Engel" erscheint bei ihm der Engel eher als Todesbote, gleichwohl den lebenspendenden Vogel an seiner Seite.

Zwei Exkurse in die Kunstgeschichte teilt uns der Künstler mit. Als eine Hommage an die von ihm geschätzte Zeichnerin Käthe Kollwitz versteht sich die Zeichnung "Zur Erinnerung and Käthe K." Ein Bild von Gustav Klimt, "Allegorie der Skulptur", erfährt eine Variation, man könnte sie "Allegorie der Malerei" nennen.

Die Szenerien, die Helmut Feldmann verbildlicht, erscheinen als verdichtete Momente - eine Schwere suggerierend, die sich jedoch entweder Flügel schafft oder keinen Boden bietet, in dem sich der Schmerz fest verwurzeln könnte. Der flüchtige oder nebulöse Charakter seiner Bildgestimmt- heiten, im Spektrum von tragisch, traumähnlich und zuweilen komisch, wird so deutlich.
"... Leise, nur leise werdet Ihr mich sehen. Leise, nur leise werde ich bleiben." (H.F.)

Die abstrakten Malereien scheinen lauter zu klingen. Es sind auf Leinwand oder Karton gemalte Farbakkorde.
"... welche Freude, in den Wirbeln zu tanzen. Im Nebel, schaut Ihr genau, wird meine Gestalt ruhen vom Sturm..."
(H. F.)
Seltsam und gleichzeitig harmonisch gepaart sind Gelb und Violett. Entgegengesetzt fordern sie sich gegenseitig, steigern sich zu höchster Leuchtkraft im Nebeneinander, in der Mischung aber verdichten sie sich zu Grau
- wie Feuer und Wasser...
Polar kommen Rot und Blau zusammen. Aufsteigende, sich verflüchtigende Farbschlieren, Farbflammen deuten Transformationen an - landschaftlich gestimmt. Nicht die horizontale Weite einer Landschaft scheint dem Künstler wichtig, vielmehr ein Ausschnitt oder eine Sichtbeengung, die sich auf Höhe und Tiefe konzentriert. Windiges und Erdiges kommt erneut zusammen.
Einen anderen Ton schlagen seine quadratischen Bildformate an. Kompakt und scharf abgegrenzt wird ein Echo unter Verschluß gehalten, das dann im geöffneten und schwebenden Rahmen befreit nachhallt.

Lydia Fortmeyer, November 1999